VOM SILVANER IN FRANKEN ZUM BABOSO NEGRO AUF TENERIFFA – EINE WEINREISE AUF DIE KANARISCHEN INSELN

von | 5 Apr.,2026 | Deutschland, Kanaren, Spanien, Über uns

Was macht kanarische Weine so besonders – und warum spielt die Rebsorte Baboso dabei eine so zentrale Rolle?

Silvaner in Franken – Herkunft und Prägung

Um diese Frage zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf etwas Vertrautes. Für mich war das der Silvaner. Aufgewachsen in Würzburg, mitten im fränkischen Weinland, war der Kontakt mit Wein fast unausweichlich. Der Silvaner wurde zu meiner ersten großen Referenz: eine Rebsorte, die nicht über Lautstärke funktioniert, sondern über Struktur, Herkunft und Präzision. Seine Vielseitigkeit und seine Fähigkeit, große, terroirgeprägte Weine hervorzubringen, haben mich früh geprägt.

Vom Dokumentarfilm zur Weinwelt – eine Reise durch Regionen und Perspektiven

Beruflich führte mich mein Weg in die Medien – genauer gesagt zum Dokumentarfilm. Als Autor und Regisseur realisierte ich zahlreiche Projekte mit dem Fokus auf Wein. Meine Arbeit brachte mich durch viele Weinregionen Deutschlands, später auch nach Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland – immer auf der Suche nach Geschichten rund um Reben, Menschen und Landschaften.

Weinbau in den Anden am Äquator

Vor drei Jahren führte mich ein Projekt sogar in einen der höchstgelegenen Weinberge der Welt: auf die Chaupi-Estancia bei Quito in Ecuador, wo auf fast 2500 Metern extrem konzentrierte Rot- und Weißweine entstehen. Doch eine der prägendsten Erfahrungen liegt weiter zurück.

Weinbau auf den Kanarischen Inseln – Vielfalt und Ursprung

Schon Ende der 1990er-Jahre führte mich eine Dokumentation auf die Kanarischen Inseln. Im Zentrum stand der qualitative Aufbruch des kanarischen Weinbaus – und es war, als würde sich eine neue Welt öffnen.

Dahinter verbargen sich jahrhundertealte Weinbauterrassen auf vulkanischen Böden. Uralte, wurzelechte Rebstöcke prägen das Bild, dazu kommen zahlreiche Kleinklimazonen, die sich je nach Höhenlage und Exposition stark unterscheiden.

Baboso Negro – Charakter einer kanarischen Rebsorte

Vor allem aber sind es die autochthonen Rebsorten, die den kanarischen Wein so einzigartig machen.

Besonders eindrucksvoll ist für mich die Rebsorte Baboso Negro. Sie steht exemplarisch für die Eigenständigkeit kanarischer Weine: kraftvoll, würzig, oft kantig – und stark geprägt von den vulkanischen Böden Teneriffas und El Hierros. Baboso ist kein Wein, der sich sofort erschließt. Er braucht Zeit, Luft und Aufmerksamkeit.

Autochthone Rebsorten der Kanaren – von Listán bis Baboso Negro

Die Namen anderer Rebsorten, Listán Blanco etwa oder Gual, sind noch vergleichsweise geläufig – bei Verijadiego, Bujariego oder Marmajuelo wird es schnell komplexer.

Diese Vielfalt aus Böden, Klima und Rebsorten spiegelt sich unmittelbar im Glas wider: Jede Insel, jeder Hang, jede Parzelle bringt eigenständige Weine hervor.

Warum kanarische Weine einzigartig sind

Neben den natürlichen Bedingungen ist es vor allem die Arbeit der Winzer, die diese Weine prägt. Mit großem Respekt vor Natur und Tradition entstehen hier Weine von internationaler Strahlkraft – oft unter Bedingungen, die mit kontinentalem Weinbau kaum vergleichbar sind.

Die Kanaren wirken wie ein lebendiges Experimentierfeld des Weinbaus. Um mein Verständnis dafür zu vertiefen, habe ich am Campus del Vino auf Teneriffa eine Ausbildung zum Sommelier absolviert.

 

Weinbau auf Teneriffa heute – zwischen Tradition und Aufbruch

Und doch bleibt Wein ein Thema, bei dem man nie „fertig“ ist. Mit jedem Glas, mit jeder Begegnung wächst das Verständnis weiter. Genau das macht die Auseinandersetzung mit kanarischen Weinen – und mit Rebsorten wie Baboso – so spannend.