KLIMAZONEN

von | 20 Mai,2025 | Global, Kanaren, Kultur, Terroir

Klimazonen
Jedes Mal wenn sich meine Fähre der Insel Teneriffa nähert, bin ich aufs Neue überrascht von dem Giganten, der vor mir aufragt. Der Pico del Teide, mit majestätischer Silhouette. Der höchste Berg Spaniens, 3715 Meter hoch. Und trotzdem weniger als 14 Kilometer vom Meer entfernt. Entsprechend steil fallen die Hänge der Insel vom Gipfel nach allen Seiten ab, in Richtung Küste.

Das schafft auf kleinstem Raum eine große landschaftliche und klimatische Vielfalt. An der Küste bewege ich mich zwischen Palmen, Stränden, Luxushotels und tropischen Gärten. Wintertemperaturen von gut 20 Grad machen die Kanaren zu einem Ganzjahres-Badeziel für Urlauber aus vielen Ländern. Außerhalb der Touristenzentren gedeihen hier tropische Früchte: die Landstraße führt mich durch Plantagen mit Bananen, Mangos, Avocados oder Papayas.

Drei, vier Kilometer abseits der Küste bin ich schon auf 800 Metern Höhe angelangt. Hier schwanken die Temperaturen deutlich: von 25 Grad im Sommer bis zu unter 10 Grad im Winter. Auch die Luft wird feuchter, und die Vegetation dichter und vielfältiger. Hier finde ich einheimische kanarische Gewächse und Kulturpflanzen, die ich sonst aus Italien, Südfrankreich oder vom spanischen Festland her kenne. Orangen, Mandarinen und Zitronen, oder auch Pfirsiche, Trauben und Aprikosen, daneben Gemüse wie Kürbis, Tomaten, Paprika und Mais.

Über enge Serpentinen fahre ich weiter bergauf. Auf 1200 Metern Höhe treffe ich auf Gärten und Terrassen mit Pflanzen, die ich aus meiner fränkischen Heimat kenne: Äpfel, Birnen, Erdbeeren und Getreide. Daneben immer noch Wein. Abwechselnd führt die Straße auch durch Buschwerk und Wälder aus Lorbeer, Wachholder und Pinien. Ich schließe die Wagenfenster, denn es wird spürbar kühler und feuchter. Zwischen den Gehölzen wabern Nebelschwaden umher, eine mystische und geheimnisvolle Landschaft. Oder es fällt Nieselregen. Ein Segen für eine Insel in den gleichen Breiten wie die nur 500 Kilometer entfernte Sahara, die größte Wüste der Welt.

In etwa 2000 Metern Höhe lichten sich die Wälder zusehends. Und auch der Nebel. Wir stoßen durch die Wolkendecke. Die Sonne strahlt auf eine urtümliche Welt. Tuff, erkaltetes Lavageröll und Basaltfelsen bestimmen das Bild, nur ein paar kältefeste Stauden oder Ginstersträucher bringen pflanzliches Leben in die Vulkanwüste. Im Winter fällt hier manchmal Schnee und spenden der kargen Landschaft ein wenig Feuchtigkeit. Aus den Canadas, der Halbwüste im Inselinneren, erhebt sich zum Greifen nah, der alles überragende Teide. Sein Gipfel ist im Winter oft wochenlang von Schnee bedeckt. Nur wenige Hochgebirgspflanzen wie das Teideveilchen halten dem eisigen Klima hier Stand.

Und auch der große Forscher und Weltreisende Alexander von Humboldt schaffte es bis hier hinauf, als er im Jahr 1799 Teneriffa besuchte und dabei auch den Teide bestieg.

Humboldt beobachtete die verschiedenen Pflanzen, die er auf seinem Weg hoch zum Gipfel des Teide durchquerte. Dabei kam ihm die Idee, dass die unterschiedlichen Höhenlagen viele verschiedene Klimazonen und Vegetationstypen auf engstem Raum bewirken. In seinem Tagebuch hielt er fest:

„Kein anderer Ort zeigt innerhalb so weniger Stunden ein so vollständiges Wechselspiel der Klimate.“

Humboldt betrachtete Teneriffa als einen „Kontinent im Kleinen“ und folgerte, dass die verschiedenen Klimazonen nicht nur durch ihre geografische Breite, sondern auch durch die Höhenlage beeinflusst werden. Als einer der ersten Forscher, hatte er die Zusammenhänge zwischen Höhe, Temperatur und Vegetation erkannt. Seine Arbeiten legten so den Grundstein für die moderne Klimatologie und Biogeografie.