Ein Schnelldurchlauf durch die Geschichte der kanarischen Weine
Von den ersten Rebstöcken bis zu den preisgekrönten Weinen von heute
Lange war es ein Geheimtipp: Wein- Aficionados kommen auf den Kanarischen Inseln in den Genuss ganz besonderer Tropfen. Das hat mehrere Gründe.
Auf den Inseln gibt es keine Reblaus. Als diese Plage Ende des 19. Jahrhunderts die Weinbauregionen der gesamten Welt heimsuchte und dort fast alle Rebbestände vernichtete, verschwanden viele wertvolle Traubensorten für immer. Nur auf den Kanaren blieben sie erhalten. Heute sind die Kanaren ein Reservoir für diese Sorten, und die Weine daraus bieten einzigartige Gaumenerlebnisse. Auch das besondere Klima, die vulkanischen Böden und die jahrhundertealte Erfahrung der Winzer tragen dazu bei. Diese schaffen weltweit einzigartige Weine. Sie zu genießen ist deshalb ein Erlebnis, das nur auf den Kanaren möglich ist.
Vielfalt auf verschiedenen Höhen
Insgesamt wird auf den Kanarischen Inseln auf mehr als 11.000 Hektar Wein angebaut. In verschiedenen Klimazonen, die vom Meeresspiegel bis auf 1.700 Meter Höhe in die Berge reichen, hegen und pflegen die Winzer der Insel knapp hundert verschiedene Rebsorten, von denen manche vor mehr als 500 Jahren eingeführt wurden.
Der „Malvasier“
Wer noch nicht damit begonnen hat, den kanarischen Wein und seine lange und prestigeträchtige Produktionsgeschichte zu erkunden, den laden wir heute ein, Malvasía zu probieren – den traditionellen Wein, der sich durch seine feinen und intensiven Aromen auszeichnet.
Rebpioniere
Die Ursprünge des Weinbaus auf den Kanaren führen uns zurück in das 15. Jahrhundert, als die ersten europäischen Kolonisatoren begannen, auf den Kanarischen Inseln Trauben anzubauen.
Die ältesten Quellen berichten von spanischen Reben auf Fuerteventura im Jahre 1412. Portugiesen pflanzten 1457 die ersten Weinreben auf Teneriffa und ein Engländer auf El Hierro im Jahr 1526.
Unter den vielen importierten Sorten befand sich auch die Malvasía-Traube, eine der der ältesten Weißweine des Mittelmeerraums. Es dauerte nicht lange, bis die Rebsorte für ihre Früchte bekannt wurde: ein süßer Wein mit Mandelnoten und deutlicher Säure. Mit einer Farbe zwischen Toast und Amber steht die Sorte für feine, ausgewogene und intensive Aromen.
Dank der strategischen Lage der Kanaren auf den Schifffahrtsrouten um Europa, Amerika und Afrika wurden die kanarischen Malvasía- Weine bald zu einem gefragten Exportgut und erlangten an den europäischen Höfen Berühmtheit, insbesondere in England,. Der Malvasia wurde zum wichtigsten wirtschaftlichen Motor der Inseln.
Poesie und Politik
Autoren wie Lord Byron, Walter Scott oder William Shakespeare schreiben in ihren Werken von den betörenden Weinen der Kanarischen Inseln. Shakespeare schwärmte in seinem Historiendrama “Heinrich der IV vom „Canary Sack“, einem wunderbaren Wein, der „das Blut parfümierte“, wenn man ihn trank.
Die Kanarischen Weine trugen sogar zur Finanzierung des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges bei. Die irischen Weinexporteure auf Teneriffa und einige Gründerväter der Vereinigten Staaten, etwa Benjamin Franklin, finanzierten mit dem Weinhandel den Krieg der Dreizehn Kolonien gegen England.
Niedergang…
Nach dem goldenen Jahrhundert kam der Niedergang. Auseinandersetzungen zwischen den Kronen Spaniens und Englands beendeten den weltweiten Handel mit Kanarischen Weinen. Jetzt bedienten Portugal und Madeira mit ihren Weinen die Höfe der Welt. Der Weinbau auf den Kanaren versank in einen Dornröschenschlaf und mit ihm die vielen mitgebrachten Rebsorten.
…und Ruhephase
Doch dann, im 19. Jahrhundert, suchte eine neue, tödliche Krise den Weinbau Europas heim. Die aus den USA eingeschleppte Reblaus vernichtete die Rebstöcke in fast allen Weinbaugebieten. Viele bedeutende Sorten starben aus. Die weit entfernten Kanaren fungierten als eine Art „Arche Noah“. Weil die Inseln bis heute von der Reblaus verschont blieben, retteten sich hier viele Rebsorten in die Neuzeit, die anderswo ausgestorben sind. Das macht sie einzigartig.
Einflüsse und Anpassung
Aber die Besonderheit der kanarischen Weine ist nicht nur dem 500 Jahren Anbau alter Sorten zu verdanken. Auch Mutationen, Kreuzungen, der besondere Charakter der Vulkanböden und das Klima der Inseln hatten großen Einfluss. Alles zusammen schuf einen Mikrokosmos des Weinanbaus, der die kanarischen Weine zu etwas Besonderem macht.
Regionen
Die kanarischen Weinberge erstrecken sich über alle Inseln. Reben wachsen in den beeindruckenden Vulkanaschelandschaften von La Geria auf Lanzarote, inmitten der Lorbeerwälder des Valle del Golfo auf El Hierro, oder in kleinräumigen Terrassenanlagen hoch über der Nordküste Teneriffas.
Dazwischen liegt eine unendliche Vielfalt von Landschaften, geprägt auch durch jahrhundertelange Arbeit von Generationen von Weinbauern. Sie haben ebene Wüsten und raue Gebirgslandschaften in Parzellen umgewandelt, auf denen unter extremen Bedingungen Wein angebaut wird. Diese Bedingungen sind sowohl für die Pflanzen als auch für die Winzer und die Weinlese sehr schwierig.
Herkunft: Denominacion de Origen
Es gibt elf Herkunftsbezeichnungen (D.O.) für kanarische Weine: eine mit regionalem Charakter (Islas Canarias oder Canary Wine), fünf für einzelne Inseln (El Hierro, La Palma, La Gomera, Gran Canaria, Lanzarote), und fünf benennen einzelne Gebiete Teneriffas, in denen der meiste Wein angebaut wird (Abona, La Orotava, Tacoronte-Acentejo, Valle de Güímar und Ycoden-Daute-Isora).
Rebsorten
Rund 80 Rebsorten sind auf den Kanaren gepflanzt. Einzelne sind weit verbreitet, andere wachsen nur in einem einzigen Tal. Die Herkunft und Verwandtschaft vieler Sorten liegen noch im Dunkeln. Sie werden gerade untersucht und katalogisiert.
Besonders geschätzt sind heute wieder die beiden Malvasia- Varianten, M. volcanica und M. aromatica. Doch auch Weißweine aus Listán blanco, Vijariego und Marmajuelo und Rotweine der Sorten Listán negro, Negramoll, Vijariego und Baboso negro genießen zunehmende Anerkennung.
Unabhängig von ihrem unterschiedlichem Sortencharakter sind kanarische Weine dank ihrer vulkanischen Mineralität fast immer Speisenbegleiter par Excellence.
Renaissance
In den 1990er Jahren beschlossen einige Weinproduzenten auf den Kanarischen Inseln, den Weinbau und die alten Stars der Inseln wiederzubeleben. Kanarische Weine sind dabei, das Prestige vergangener Zeiten wiederzuerlangen.
Der „Malvasier“
Primus inter Pares ist, auch heute wieder, der schon vor Jahrhunderten berühmte kanarische Malvasia. Kanarische Weine sind heute in zahlreichen Ländern gefragt, den Vereinigten Staaten, in Japan, China und in zahlreichen europäischen Ländern. Weine von den Kanaren genießen unter Kennern mittlerweile weltweite Anerkennung.

