WURZELECHTE WEINREBEN

von | 20 Mai,2025 | Kanaren, Länder

Auf den Kanaren (und auch einigen anderen Inseln mit vulkanischen Böden) wachsen ganz besondere Weinstöcke. Zur Vermehrung steckt der Winzer einen Rebzweig in die Erde, und mit etwas Feuchtigkeit wächst daraus ein neuer Rebstock. Bis vor 150 Jahren wurden so in ganz Europa Reben vermehrt. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts tauchte ein Schädling auf, der diese Praxis unmöglich machte.
Die Reblauskatastrophe
Damals wurde die aus Nordamerika stammende Reblaus in Frankreich eingeschleppt und verbreitete sich von dort aus weiter. Innerhalb weniger Jahre vernichtete der Schädling die meisten Weinberge in ganz Europa.
Seither greifen die Winzer zu einem Trick, um die Anfälligkeit europäischer Reben zu verringern. Sie pfropfen diese auf reblausfeste Unterlagen.
Dieser Eingriff rettete den europäischen Weinbau. Er hatte, und hat, aber auch Nebenwirkungen. Die Unterlage wirkt wie eine Schleuse zwischen die aufgepfropfte Edelrebe und dem Boden. Wasser, Nährstoffe und Spurenelemente müssen diese Schleuse passieren. Das beeinflusst den Stoffwechsel, die chemische Zusammensetzung der Trauben und den Charakter des daraus gekelterten Weines.
Vulkanböden
Auf Vulkanböden kann die Reblaus nicht existieren. Die Reben auf den Kanaren werden also auch ohne Pfropfung nicht befallen. Deshalb ersparen sich die dortigen Winzer den Umweg und kultivieren ihre Weinstöcke wie früher ohne Veredelung, also wurzelecht.
Das bringt Vorteile, die sich positiv auf die davon erzeugten Weine auswirken können:
Wurzeln:
Ungepfropfte Reben wurzeln tiefer. Sie erreichen Wasser und Nährstoffe in besonders tiefen Bodenschichten. Wurzelechte Reben leiden also weniger unter Trockenstress.
Boden:
Die tiefen Wurzeln nehmen auch mehr Mineralien und Nährstoffe aus dem Boden auf. Das verleiht den Weinen zusätzliche Geschmacksnuancen und intensivere und komplexere Aromen. Die Reben spiegeln das Terroir besonders deutlich und bringen besonders charaktervolle Weine hervor.
Widerstandsfähigkeit:
Wurzelechte Reben sind oft widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Die Winzer müssen weniger spritzen, das führt zu einer nachhaltigeren Weinproduktion.
Traditionelle Praktiken:
Terroir, Reben und Anbaupraktiken sind über Generationen aufeinander abgestimmt. Dies kann zu einer höheren Qualität und Sorgfalt in der Weinproduktion führen.
Insgesamt können wurzelecht wachsende Reben qualitativ hochwertige Weine hervorbringen, die durch ihre Einzigartigkeit und den Einfluss des Terroirs geprägt sind.